20. Dezember 2011 | Meldung

Eva-Maria Voigt-Küppers tauscht Akten gegen Feuerwehrhelm

Es ist sieben Uhr morgens. Für Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers beginnt der Dienst, nur diesmal nicht an ihrem Schreibtisch im Düsseldorfer Landtag, sondern vollausgestattet in der Kluft einer Feuerwehrfrau auf der Feuer- und Rettungswache in Würselen. Einen Tag lang wird sie heute Akten gegen Feuerwehrhelm tauschen und den Arbeitsbetrieb der Wache kennenlernen. Erste Amtshandlung: Gut zuhören bei der Dienstübergabe aus dem 24-Stunden-Dienst. Hans-Werner Lehner, Leiter der hauptamtlichen Feuerwehrleute übernimmt als heutiger Einsatzleiter die Wachaufteilung. Es wird berichtet, welche Einsätze es gegeben hat und welche Arbeit noch ansteht. Dann geht es an die Überprüfung des eigenen Arbeitsgeräts für die bevorstehende Schicht, damit im Ernstfall alles funktioniert: „Wenn die Glocke geht, muss alles sitzen“, so Hans-Werner Lehner. Die Feuerwehr muss dann unter zwei Minuten ausrücken, damit eine Schutzzielerreichung nach Landesvorgabe realistisch bleibt.Nach der Übernahme ist es halb neun. Jetzt steht die Wachausbildung auf dem Plan. Themen gibt es immer genug: Es werden neue Geräte oder neue Gesetzesverordnungen besprochen, Altes aufgefrischt oder Anleiterübungen nachgestellt. Nach einer kleinen Pause geht jeder in seinen eigenen Arbeitsbereich, bleibt dort bis zum Dienstende, ist aber jederzeit für den Ernstfall bereit. Durchschnittlich ist die Freiwillige Feuerwehr Würselen am Tag anderthalb Mal im Einsatz, das macht rund 500 Einätze im Jahr.

Abgeordnete im Einsatz

Dann ertönt das Alarmsignal. Und die Stimmung verändert sich schlagartig an der Industriestraße. Auf dem Monitor wird angezeigt, welcher Einsatz nun bevorsteht. Eva-Maria Voigt-Küppers fährt zum ersten Mal an diesem Tage mit raus. Es erwartet die Einsatztruppe ein Garagentor, hinter dem seit Tagen eine Katze jammert. Der Garageneigentümer ist nicht ermittelbar. In ein paar Minuten können die Wehrleute die Situation unter Kontrolle bringen. „Wir fahren Einsätze der unterschiedlichsten Art, man rettet auch schon mal einen Hund oder eine Katze. Auch bei Sturmschäden, Kellerüberflutung, Verkehrsunfällen oder einer Ölspur sind wir gefragt“, berichtet Hans-Werner Lehner. Anders war dies bei einem schlimmen Wohnungsbrand auf der Oppener Straße vor vielen Jahren. Die Schwierigkeit damals war, dass lediglich fünf Feuerwehrleute vor Ort waren. „Wir kommen mit Fahrzeugen und Geräten, die ca. 1 Millionen Euro in Summe kosten, sind aber nur zu fünft!“ Schlicht und ergreifend fehlten in den ersten acht Minuten die Einsatzkräfte. „Keinen Sicherungstrupp für die eigenen Leute zu haben ist eine der schlimmsten Situationen am Einsatzort! Glücklicherweise kommt dies nur äußerst selten vor“, so der Wachleiter.

Zum Arbeitstag der Abgeordnete gehört heute, alle Stationen der Feuer- und Rettungswache zu durchlaufen. Dazu gehören die Fahrzeughalle mit insgesamt fünf Löschfahrzeugen, einem Atemschutzwagen der Städteregion sowie einem Einsatzleitwagen, eine Werkstatt, der Atemschutzbereich und das Büro. Der Schwerpunkt liegt tagsüber bei den hauptamtlichen und nachts bei den ehrenamtlichen Kräften. Etwa 100 Männer und Frauen gehören der Freiwilligen Feuerwehr in Würselen an. Die Koordinierung des Ehrenamts mit dem Hauptamt ist sehr aufwändig und erfordert ein Höchstmaß an Logistik, denn die Personaldecke ist ausgereizt.

„Das war nicht nur ein sehr ungewohnter Tag für mich, ich habe auch eine Menge gelernt und mich zudem hier auf der Wache gut aufgehoben gefühlt. Einen solchen Perspektivwechsel schätze ich sehr und er ist wichtig für die politische Arbeit. So weiß ich noch einmal besser, was die Leute beschäftigt, wo noch nachgebessert werden muss und was sinnvoll für die tägliche Arbeit ist“, resümiert die SPD-Politikerin nach einem Tag auf der Feuer- und Rettungswache.