
Lage des Wahlkreises 03 in der Städteregion Aachen. Der Fluß Wurm gab dem ehemaligen Steinkohlebergbaugebiet den Beinamen "Wurmrevier".
Seit dem 9. Juni 2010 vertrete ich im Landtag meinen Wahlkreis 03, dem Nordteil der Städteregion Aachen. Er umfasst das Gebiet der Städte Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen. Er war das Kerngebiet des sogenannten
Wurmreviers, unter anderem mit den Zechen Adolf (Herzogenrath-Merkstein), Anna (Alsdorf), Carl-Alexander (Baesweiler) und Gouley (Würselen). Die großen Abraumhalden zeugen von dieser Vergangenheit und prägen noch heute das Landschaftsbild.
Die Städte in meinem Wahlkreis spüren die Folgen des Strukturwandels bis heute. Er begann Anfang der 1960er Jahre, als die ersten Zechen geschlossen wurden. Als am 31. Dezember 1983 die Förderung auf der Grube Anna eingestellt wurde und im September 1992 der letzte Koks in der Kokerei Anna gedrückt wurde, endete der Bergbau in unserer Region.
Infolge der Zechenschließungen galt es neue Arbeitsplätze für die ehemaligen Bergleute zu schaffen. So wurde in die Infrastruktur investiert und es entstanden zahlreiche Industrie- und Gewerbegebiete. Wirtschaftlich ist das Wurmrevier heute vor allem durch Handel, Dienstleistungsgewerbe und Industrie geprägt. Auf den weiten ausgeräumten Feldfluren wird aber auch Landwirtschaft betrieben.
Es waren vor allem Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die als Stadtverordnete, Bürgermeister, Landräte, Landtags- oder Bundestagsabgeordnete der drohenden Gefahr der Massenarbeitslosigkeit entschlossen entgegentraten. Sie investierten in den Ausbau und die Umstrukturierung ihrer Städte und gründeten Beschäftigungsinitiativen wie zum Beispiel den Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VABW e. V., → zur Website) in Alsdorf um die Monostruktur des Bergbaus in der Region zu durchbrechen. Dies gelang vor allem auch aufgrund des breiten, parteiübergreifenden Konsens.
Heute zeigen sich die Folgen des Strukturwandels zum Beispiel durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote liegt mit 8,4 % in meinem Wahlkreis zwar ein Prozentpunkt über dem Durchschnitt Westdeutschlands. Dass die Arbeitslosigkeit allerdings geringer ist als in Gesamt-NRW (9,2 %) und auch geringer als im Gesamtbezirk der Arbeitsagentur Aachen (9,4 %), zeigt dass der eingeschlagene Weg durchaus erfolgreich war (Zahlen: Bericht der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit im Januar 2010). Die befürchtete Massenarbeitslosigkeit, mehr als jeder zweite Arbeitsplatz in unserer Region hing vom Bergbau ab, blieb deshalb aus.
Der Preis, den die Städte in meinem Wahlkreis dafür bezahlten, sind die vielen Schulden, die zum Ausbau der Infrastruktur und zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben aufgenommen werden mussten. Besonders im Wurmrevier hat sich die finanzielle Lage der Städte so drastisch verschlechtert, dass die Kommunen kaum noch ihren Aufgaben, wie dem Kindertagesstättenbau, nachkommen können. So steht vor allem die Haushaltssicherung auf den Tagesordnungen der Stadträte im Nordkreis. Dass alle Städte dennoch weiter in die Zukunft, nämlich den Ausbau der Schulen und Tagesstätten für Kinder investieren, ist vorbildlich. Keine Stadt in meinem Wahlkreis kann, auch bedingt durch die enormen Steuerrückgänge infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise und den damit verbundenen steigenden Sozialkosten, einen ausgeglichenen Haushalt für 2010 vorlegen. Die Lage in Alsdorf, Herzogenrath und Würselen ist sogar so dramatisch, dass diese Städte mit sogenannten “Nothaushalten” operieren.
Meine vordringlichen Aufgaben in meinem Wahlkreis sehe ich daher darin, weiter die Ansiedlung von Betrieben und damit die Senkung der Arbeitslosigkeit zu fördern. Außerdem ist es dringend von Nöten, dass die Kommunen endlich von den finanziellen Belastungen, die sie durch die Übernahme von vielen Aufgaben vom Bund und vom Land haben, befreit werden. Alleine können unsere Städte ihr gutes Angebot für die Bürger nicht aufrecht erhalten.
Ich bin sicher, dass uns das – auch in Zusammenarbeit mit den vielen politischen Partnern im Nordkreis – gelingen kann. Die Menschen im Wurmrevier sind durch die Steinkohle-Vergangenheit geprägt. Wir sind uns durchaus bewusst, dass immer wieder schwierige Zeiten kommen. Wir wissen aber auch: Wenn wir zusammenstehen, dann gelingt es uns, diese Herausforderungen zu meistern. Nicht erst einmal haben wir das unter Beweis gestellt. Und was auch kommt: Unsere Vergangenheit und unseren Stolz bewahren wir uns. Unser Frohsinn zeigt sich nicht nur durch Schützen, Karneval, Jungenspiele und Maigesellschaften.
Daten & Fakten zum Wahlkreis 03 – Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen
Einwohner: ca. 160.000
Fläche: ca. 128 km²
Bevölkerungsdichte: ca. 1250 Einwohner pro km²
Städte:
Alsdorf (ca. 46.000 Einwohner)
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Baesweiler (ca. 28.000 Einwohner)
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Herzogenrath (ca. 47.000 Einwohner)
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Würselen (ca. 38.000 Einwohner)
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