Außerschulische Lernorte sollen in den Blick genommen werden

03. März 2021

In Sichtweite zu den markanten Gasballons und doch etwas versteckt liegt im Aachener Norden der Abenteuerspielplatz Zum Kirschbäumchen. Seit über 30 Jahren besteht diese Einrichtung in Trägerschaft des Kinderschutzbunds (DKSB). Auf dem Gelände, das größer ist als ein Fußballfeld, tummeln sich üblicherweise rund ums Jahr Dutzende Kinder und Jugendliche. In Eigenregie bauen sie Hütten, matschen mit Sand und Wasser, klettern, werkeln oder genießen einfach nur die Sonne in dieser grünen Oase. Das Außengelände wird durch ein Gemeinschaftshaus mit Werkräumen, Billardtisch und Küche ergänzt. Das umfassende Angebot unter pädagogischer Leitung ist ein außerschulischer Lernort – was in der Corona-Pandemie eher ein Makel als ein Prädikat ist. Denn anders als der direkt benachbarte Spielplatz darf das Kirschbäumchen derzeit keinen offenen Betrieb anbieten. Als einzigen Lichtblick bezeichnet die DKSB-Geschäftsführerin Andrea Weyer, dass immerhin die Kooperation mit der benachbarten Offenen Ganztagsschule Feldstraße aufrechterhalten bleibt: „Zu diesen Kindern können wir den Kontakt halten, was für viele von ihnen sehr wichtig ist“, so Weyer.

Außerschulische Lernorte sollen in den Blick genommen werden
Ortstermin: Andrea Weyer, Miriam Hartmann, Eva-Maria Voigt-Küppers, Brigitte Radke, Ulrich Gurr, Ye-One Rhie


Die Würselener Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers, die als stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag für den Bereich Bildung und Jugend zuständig ist, besuchte jetzt den Abenteuerspielplatz. Begleitet wurde sie von der Aachener Ratsfrau und stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Ye-One Rhie. In einem Gespräch schilderten die Vertreterinnen und Vertreter des Kinderschutzbunds ihr Unverständnis für die derzeitigen Regelungen. Sie stießen auf deutliche Zustimmung. „In einer Phase, in der wir über Vereinsamung sprechen und in der Kinder kaum noch soziale Kontakte haben, müssen wir die außerschulischen Lernorte öffnen und nicht schließen“, sagte Rhie. „Es ist wichtig, dass wir das Angebot am Kirschbäumchen erhalten und fördern. Dafür sind auch die aktuellen Haushaltsentscheidungen im städtischen Kinder- und Jugendausschuss wichtig.“

„Im Spielen vertrauen sich uns die Kinder an. Wir können mit ihnen auf eine andere Weise arbeiten als Lehrer oder Eltern. Das ist wichtig, damit sie die schwere Zeit seit Beginn der Pandemie verarbeiten können“, betonte Miriam Hartmann, Leiterin des Spielplatzes. „Das Kirschbäumchen ist ein Leuchtturm für Aachen. Eigentlich brauchen wir solche Einrichtungen in jedem Stadtteil“, sagte die Aachener DKSB-Vorsitzende Brigitte Radke. Dem stimmte auch ihr Stellvertreter, der pensionierte Kinderarzt Ulrich Gurr, zu und warb für ein anderes Bildungsverständnis: „Hier lernen Kinder und Jugendliche miteinander auszukommen und sich selbst zu organisieren. Auch das ist Bildung“


Außerschulische Lernorte sollen in den Blick genommen werden

Voigt-Küppers sagte zu, die Eindrücke mit nach Düsseldorf zu nehmen: „Seit den ersten Schulschließungen fordert meine Fraktion, dass alle Möglichkeiten genutzt werden, um Bildung weiter zu ermöglichen. Die außerschulischen Lernorte müssen dabei unbedingt mit einbezogen werden. Einrichtungen wie hier, aber auch Museen, Bibliotheken, Jugendtreffs, Tanzstudios und Sportstätten können das bieten, was derzeit angeblich fehlt: Räume, pädagogisches Personal, Ideen und Perspektiven. Vor allem können sie Kindern und Jugendlichen die Erlebnisse bieten, die sie seit einem Jahr vermissen. Wir werden uns im Landtag erneut dafür einsetzen, dass entsprechende Konzepte gefunden und umgesetzt werden.“

Themen: Im Wahlkreis