Thema: Schule und Bildung

Seit mehr als 40 Jahren ist Bildung mein Herzensthema. Denn Teilhabe und Selbstbestimmung in unserem Leben wird dadurch bestimmt, welche Bildung wir erfahren.

2012 wurde ich in den Vorstand der SPD-Fraktion gewählt und habe im Bereich Schule und Weiterbildung seitdem meinen Arbeitsschwerpunkt. Im zuständigen Ausschuss beraten wir aktuelle Themen der Bildungspolitik, wir führen Expertenanhörungen durch und bereiten Gesetze vor. Als Bildungspolitikerin besuche ich Schulen in ganz NRW, tausche mich regelmäßig mit Eltern, Lehrern und Schülern aus und stecke meine ganze Kraft in dieses Thema.

Schulen sind nicht der Ausbildungsplatz der Wirtschaft

CDU und FDP wollen im Schuljahr 2020 ein Unterrichtsfach „Wirtschaft“ an Schulen in NRW zusätzlich einführen. Damit wird der Anteil gesellschaftswissenschaftlicher Themengebiete im Unterricht noch mehr in den Hintergrund gedrängt, als es ohnehin schon der Fall ist. SPD und Grüne plädieren im Gegensatz dafür, die politische Bildung und Demokratiekompetenz von Schülerinnen und Schülern im Fächerkanon zu stärken. Hierzu bringen sie heute einen entsprechenden Antrag ins Plenum ein. Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, und Sigrid Beer, bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN Fraktion im Landtag NRW, erklären dazu:

 

Jochen Ott:

„Mit der geplanten Einführung eines Unterrichtsfachs ,Wirtschaft‘ stellt die Landesregierung die Weichen an unseren Schulen in die falsche Richtung. Es ist nicht Aufgabe unseres Bildungssystems, Wirtschaftsinteressen in die Köpfe unserer Kinder zu pflanzen. Wir haben in Deutschland kein Wirtschaftsproblem. Was wir brauchen, ist mehr Bildung in Demokratiekompetenz und politischer Teilhabe. Hinzu kommt: Schon jetzt ist der Anteil wirtschaftlicher Themenschwerpunkte im Lehrplan gegenüber gesellschaftswissenschaftlichen Lernbereichen stark überrepräsentiert. Das weiß auch die Landesregierung. Um der Wirtschaft trotzdem noch mehr zu gefallen, nennt sie das Fach „Politik/Wirtschaft“ künftig „Wirtschaft-Politik“. Was auf den ersten Blick wie ein simpler Etikettenschwindel aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als ideologiegetriebene Wirtschaftshörigkeit.“

 

 

Sigrid Beer:

„Demokratie fällt nicht vom Himmel. Demokratie muss man immer wieder lernen. Das ist besonders wichtig in Zeiten, in denen Grundrechte infrage gestellt werden, menschfeindliche Tiraden, Antisemitismus und NS-Parolen wieder vermehrt verbreitet werden. Die Rückkehr zu G9 wäre eine Chance, diesem Trend – nicht nur am Gymnasium – mit zusätzlicher Lernzeit für Demokratiebildung entgegenzuwirken. Doch die zuständige Ministerin steckt diese Lernzeit lieber ideologiegetrieben in die völlig überflüssige Einführung eines Schulfachs Wirtschaft. Dabei ist ökonomische Bildung in den bisherigen Lehrplänen bereits fest verankert. Ministerin Gebauer sorgt außerdem mit ihrem chaotischen Vorgehen für Verwirrung an den Schulen. Einerseits verkündet sie, Wirtschaft solle ab kommendem Sommer schon im Gymnasium Pflichtfach werden. Andererseits legt sie aber im Entwurf der neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung noch nicht einmal eine Rechtsgrundlage dafür vor.“

13. Dezember 2018

„Schenken Sie uns eine Schulstunde Ihrer Zeit“ – Eva Voigt-Küppers besuchte das Heilig-Geist-Gymnasium

Unter dem Motto „Schenken Sie uns eine Schulstunde Ihrer Zeit“ lädt der nordrhein-westfälische Verband Deutscher Privatschulen jährlich Abgeordnete in seine Schulen ein. Der Besuch im Würselener Heilig-Geist-Gymnasium war für die Landtagsabgeordnete eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit: „Als Kind habe ich mit meiner Mutter in der Abtei immer Obst gekauft“, erinnerte sich Voigt-Küppers, die selbst in Broichweiden aufgewachsen ist.

 

„Schenken Sie uns eine Schulstunde Ihrer Zeit“ – Eva Voigt-Küppers besuchte das Heilig-Geist-Gymnasium

Austausch mit der Schulleitung: Christoph Barbier, Eva Voigt-Küppers MdL und Maria Foerster

Im Vorgespräch stellten zunächst Christoph Barbier (Schulleiter) und Maria Foerster (stv. Schulleiterin) das HGG vor, das sich seit vielen Jahrzehnten großer Beliebtheit in der Region erfreut. 800 Schülerinnen und Schüler sowie ein Kollegium mit 70 Lehrerinnen und Lehrer füllen das HGG täglich mit Leben.

Der Leitspruch der Schule lautet „An deiner Seite“. Schülerinnen und Schüler sollen dabei ihren eigenen Weg gehen und Erfahrungen machen – sie werden dabei aber jederzeit und umfassend durch die Schule betreut, wie Barbier erklärte. Im Programm hat das HGG dabei ein breit gefächertes Angebot, das unter anderem eine Archäologie-AG, ein Orchester, den eigenen Schulgarten mit Bienenstand und eine Robotik-AG umfasst.

 

„Schenken Sie uns eine Schulstunde Ihrer Zeit“ – Eva Voigt-Küppers besuchte das Heilig-Geist-Gymnasium

Diskussion mit Schülerinnen und Schülern der Q2

Gut eine Stunde lang diskutierte Voigt-Küppers mit Schülerinnen und Schülern aus der Q2. Die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten hatten sich gut auf das Gespräch vorbereitet und aus ihren Beiträgen sprach echtes Interesse an der Arbeit der Abgeordneten und Politik im Allgemeinen.
Gesprächsthema war etwa das Kommunalabgabengesetz des Landes. Dieses fordert von den Kommunen unter anderem, den Neubau und die Sanierung von Straßen auf die Anwohner umzulegen. Die SPD im Landtag setzt sich derzeit für eine Abschaffung dieses Paragraphen ein. „Alte Menschen, die in ihrem abbezahlten Häuschen wohnen, kann es in den Ruin treiben, wenn sie plötzlich 10.000 Euro für die Sanierung ihrer Straße bezahlen müssen“, sagte Voigt-Küppers dazu. Die SPD-Fraktion fordere, dass die Mittel, die die Anwohner derzeit aufbringen müssen, aus der Landeskasse entnommen werden. „Aber natürlich geht das nicht unbegrenzt. Wir Politiker müssen unsere Vorhaben mit Geld hinterlegen, wissen aber sehr genau, dass es eine Decke ist, an der von vielen Seiten gezogen wird.“

 

Insgesamt standen aber die Zukunftsthemen der jungen Menschen klar im Mittelpunkt: „Wieso kommt es beim Zugang zum Medizinstudium so sehr auf die Abiturnote an?“ oder „Wieso ist die Anerkennung für nicht-akademische Berufe so gering?“.
Eine Schülerin berichtete von ihrer Absicht, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, worauf Betriebe aber oftmals nicht eingestellt seien. Voigt-Küppers stimmte zu, dass hier nach wie vor großer Handlungsbedarf bestehe. „Mein verstorbener Mann hatte einen Malerbetrieb und hat immer versucht, auch junge Frauen für dieses Handwerk anzuwerben. So etwas erfordert beispielsweise getrennte Toiletten oder Umkleideräume, was für den Zehn-Mann-Betrieb schon ein Problem darstellt.“ Es sei oft schwierig für die Politik, den Mittelweg zu finden zwischen Regelungen im Interesse der Beschäftigten und gleichzeitig der Zumutbarkeit für die Betriebe. „Als junge Frau guckt man leider nach wie vor oft in die Röhre“, stimmte Voigt-Küppers zu.

 

Nach einer Stunde zog die Landtagsabgeordnete eine positive Bilanz aus der Diskussion: „Es stört mich, dass so oft von der politikverdrossenen Jugend gesprochen wird. Denn junge Menschen haben politische Interessen und sie äußern sich auch kritisch. Gerade in kontroversen Gesprächen zeigt sich respektvoller Umgang miteinander. So funktioniert unsere Demokratie.“

27. November 2018

„Nicht mehr Wirtschaft, sondern mehr Demokratie wagen!“

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat heute ihre Pläne zur Einführung des Schulfachs Wirtschaft vorgestellt. Dazu erklären Eva-Maria Voigt-Küppers, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher:

„Nicht mehr Wirtschaft, sondern mehr Demokratie wagen!“„Wenn die CDU-FDP-Koalition wieder einseitig auf das Rufen der Wirtschaft hört, wird sie die Fehler der Vergangenheit wiederholen, hat sie immer noch nicht aus der G8-Misere gelernt? Schule muss vom Kinde aus konzipiert werden. Dort müssen primär dem Kind alle Fähigkeiten und Kompetenzen zuteilwerden, um ihm die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Wenn die schwarz-gelbe Koalition auf mehr Wirtschaft setzt, plädieren wir für mehr Demokratie und politische Bildung, schließlich ist die politische Bildung ein Garant für unsere Demokratie, deshalb wollen wir wieder mehr Demokratie wagen.“

26. November 2018

Fatale Befunde für die politische Bildung an Schulen in NRW

Schülerinnen und Schüler müssen politische Kompetenzen und Fähigkeiten besitzen, um ihre eigene Zukunft mitzugestalten. Insbesondere die Ausbildung der „eigenen Urteilskompetenz“ ist essentiell. 

 

Im gestrigen Landtagstalk der SPD-Fraktion zum Thema „Demokratieförderung“ stellte Prof. Dr. Reinhold Hedtke von der Universität Bielefeld dazu allerdings erschreckende Zahlen vor. Danach ist empirisch belegt, dass nordrhein-westfälische Schülerinnen und Schüler diese Kompetenzen nicht hinreichend in der Schule erwerben. Gründe hierfür liegen zum Beispiel darin, dass der Politikunterricht nicht nur einen geringen Stellenwert im Fächerkanon hat, sondern auch überdurchschnittlich viel fachfremd unterrichtet wird.

 

Fatale Befunde für die politische Bildung an Schulen in NRWEva-Maria Voigt-Küppers, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag NRW, forderte, dass die Demokratieförderung im Bereich der politischen Bildung stärker ins Bewusstsein aller Akteure dringen muss, damit die Lernenden nicht anfällig für Populismus und Fake News sind. „Die Demokratiebildung der Schülerinnen und Schüler muss weiterhin gesetzlich verankert werden.“ Dazu hat die SPD-Fraktion einen Gesetzentwurf „Demokratieförderung 2.0“ eingebracht, der aktuell dem Schulausschuss zur Beratung vorliegt.

 

„Man wird nicht zu Demokraten geboren, sondern muss Demokratie leben. Gerade in der Schule ist Mitbestimmung und Mitentscheiden wichtiger denn je. Während die schwarz-gelbe Landesregierung auf mehr Wirtschaftsunterricht in den Schulen  setzt, plädieren wir für mehr Demokratie und politische Bildung“, resümierte Jochen Ott, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender und schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

22. November 2018

Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit für die Lehrerinnen und Lehrer

Anlässlich der heutigen Aktion „Mein Stück vom Kuchen“ der GEW NRW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) vor dem nordrhein-westfälischen Landtag haben Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Eva-Maria Voigt-Küppers, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, der GEW-Vorsitzenden von NRW, Dorothea Schäfer, einen Kuchen überreicht, um zu verdeutlichen, dass die SPD-Landtagsfraktion die Forderungen der GEW in allen Teilen unterstützt.

Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit für die Lehrerinnen und Lehrer

Vor dem Landtag überreichen die Landtagsabgeordneten Eva Voigt-Küppers und Jochen Ott den GEW-Vorstandsmitgliedern Dorothea Schäfer (r.) und Michael Schulte (l.) einen symbolischen Kuchen.

In diesem Sinne überreichten sie ebenfalls den Gesetzentwurf der SPD-Landtagsfraktion „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Anpassung der Lehrerbesoldung an ihre Ausbildung“, der im Februar 2018 im nordrhein-westfälischen Landtag erstmals und nach Ablehnung im Oktober dieses Jahres aktualisiert eingebracht wurde.

 

Dazu erklärt Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

„Die gleiche Eingangsbesoldung nach A 13 für alle Lehrämter in NRW ist ein wichtiger und überfälliger Schritt. Im Jahr 2008 wurde die Lehrerausbildung durch die damalige Schwarz-Gelbe Landesregierung reformiert. Diese trat 2009 in Kraft. Seitdem durchlaufen alle Lehrerinnen und Lehrer die gleich lange universitäre Ausbildung. Daher gibt es keinen sachlichen Grund, die ungerechte Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Lehrämter aufrechtzuerhalten.

Die neue Schwarz-Gelbe Landesregierung hat die Chance, dies umzusetzen. Dafür hat sie eine traumhafte Ausgangslage, da die erforderlichen Mittel jetzt im Haushalt zur Verfügung stehen. Wir hoffen, dass die Landesregierung ihre Versprechen einlöst, und CDU und FDP dem Entwurf der SPD im Sinne der Lehrerinnen und Lehrer in NRW zustimmen.“

 

Weitere Informationen und Fotos der Demonstration gibt es auf der Internetseite der GEW.

15. November 2018