„Herzogenrath soll energieautark werden!“

08. Juli 2020

Nichts Geringeres schwebt Charles Russel, Seniorchef der Nivelsteiner Sandwerke, und Franz-Josef Türck, Co-Geschäftsführer der Green Solar GmbH in Herzogenrath, vor. Die Sandwerke sind kürzlich in die Hand der fünften Generation der Familie Russel übergegangen. Doch schon vor mehr als zehn Jahren fasste die Familie den Entschluss, sich breiter aufzustellen und das Notwendige mit dem Machbaren zu verbinden.

Die Tochterfirma Green Solar wurde gegründet und auf einem Hang im Sand-Tagebau eine erste Solaranlage errichtet. Seit ihrer Erweiterung im Jahr 2012 ist sie die größte Solaranlage in NRW und produziert täglich sauberen Strom. Übrigens mit unerwarteten Nebeneffekten: Die Biologische Station in der Städteregion, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gelände regelmäßig untersuchen, konnte eine steigende Zahl seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten feststellen, die sich im Schutz der Solarpaneele gut entwickeln.

An Ideen zur Weiterentwicklung des Energieparks mangelt es nicht. „Es ist möglich, in Nivelstein so viel Strom zu produzieren, dass Herzogenrath CO2-neutral und unabhängig von Stromlieferungen wird“ – davon sind Russel und Türck überzeugt. Sie bringen eine Erweiterung der Solaranlage ins Gespräch, ergänzt möglicherweise um ein oder mehrere Windräder. Ebenfalls wird derzeit am Thema Wasserstoff gearbeitet und es bestehen mehrere Kooperationen mit der RWTH Aachen. Auch über den Aufbau eines Fernwärmenetzes wird in Nivelstein laut nachgedacht: Abwärme aus den Sandwerken sowie weiteren Industriebetrieben in der Stadt könnte auf diese Weise genutzt werden, um städtische Gebäude oder Privathäuser zu heizen.

„Herzogenrath soll energieautark werden!“
Blick auf die Sandwerke und das erste Feld der Solaranlage: Dr. Benjamin Fadavian, Dr. Manfred Fleckenstein, Eva-Maria Voigt-Küppers MdL, Alexandra Prast, Franz-Josef Türck und Charles Russel

Am Dienstag empfingen Russel und Türck den Bürgermeisterkandidaten der Herzogenrather SPD, Dr. Benjamin Fadavian, die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers, die Stadtverordnete und Kandidatin für den Städteregionstag, Alexandra Prast, sowie Herzogenraths stellvertretenden Bürgermeister Dr. Manfred Fleckenstein und stellten ihre Ideen vor.

Russel betonte, dass noch nichts von den Ausbauplänen beschlossen oder beantragt ist: „Es ist uns wichtig, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass sie auch ganz konkret von unseren Plänen profitieren können.“ Denkbar sei das Angebot einer Beteiligung mit kleinen Summen. Auf diese Weise werde greifbar, dass die Energiewende ein Projekt für jedermann ist.

Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zeigten sich vom Ideenreichtum in Nivelstein sehr angetan. Dr. Fadavian sagte zu, als Bürgermeister das Thema Klimaschutz oben auf die Agenda zu setzen.

„Herzogenrath soll energieautark werden!“
SPD-Bürgermeisterkandidat Dr. Benjamin Fadavian

„Wenn Geschäfts- oder Privatleute ihre Immobilien klimaschonend modernisieren möchten, muss die Stadtverwaltung sie dabei beraten und unterstützen. Das gilt in besonderem Maße für Neubauten. Und die Stadt selbst muss mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Liegenschaften auf den neusten Stand der Technik bringen. Es ist ein großer Glücksfall für unsere Stadt, dass in Nivelstein eine derart große Motivation und Bereitschaft besteht, die Energiewende voranzutreiben“, so der Bürgermeisterkandidat.

Die Anwesenden waren sich einig, dass Herzogenrath ein Leuchtturm in der Energiewende werden kann. Der Ausstieg aus der Kohle und das nahende Verbot von Ölheizungen im Privatbereich ist beschlossen. Jetzt gelte es, den Blick nach vorn zu richten und zu entscheiden, wie der Wandel vonstattengehen soll.

Themen: Herzogenrath, Im Wahlkreis, Wirtschaft, Energie und Industrie